Von Schneemännern, tiefen Erdlöchern und heiligen Quellen...

Schneemann am Rande der Canaan-Road
Schneemann am Rande der Canaan-Road

Die zweite Arbeitswoche ging zu Ende... wir kamen im Schnitt mit diversen Regenzeitausfällen auf ca. 35h/Woche. Das ist ausbaufähig. Der eingesteifte Rücken nach ein paar Stunden Arbeit blieb, aber der Muskelkater war Geschichte. Gesicht und Arme werden in Minutenschnelle braun während eines Sonnentages. Daran erkennt man wohl die Farmarbeiter hier... (ein bisschen wie die Österreicher im Skigebiet;)) Ansonsten ist es ganz witzig, auch mal ein paar Stunden ohne Kopfhörer zu arbeiten: überall pfeift und trällert es in den Nachbarreihen... Lange habe ich es allerdings nicht ausgehalten und habe mich nach der akustischen Erfahrung auch gehütet, selbst nochmals mit einzustimmen. ;) Sooooo berauschend klang das alles dann doch nicht. Eine weitere Pause haben wir auch nicht mehr verpasst... und an meine "Kaaaiiii"-Rufe haben sich die meisten auch schon gewöhnt, sobald es zur Pause geht. Wobei es wahrscheinlich immer noch merkwürdig wirkt, wie ich bei Pausenbeginn einfach nur dastehe und um "Essen" rufe :) Unser letzter Arbeitstag in der Woche (Samstag, 29.10.2016) endete ungemütlich und kalt. Es war den ganzen Tag schon windig und zum Abend hin setzte ein Unwetter vom Feinsten ein: Regen über Regen mit Sturmböen. Der einzig schöne kuschelige Ort in der Wohnung war neben dem Bettchen das Wohnzimmer, wo das Feuer im Kamin behaglich knisterte. Erst gegen Morgen wurde es langsam ruhiger ums Haus. Wir genossen es, ausschlafen zu können und starteten dann ganz gemütlich in unser eintägiges Wochenende, den 30.10.2016.

Beim Blick aus dem Fenster empfingen uns schneebedeckte Berggipfel um uns rum: Über Nacht hatte es sogar geschneit, erzählte uns Jay! Also manchmal bin ich mir nicht so sicher, ob hier wirklich der Frühling Einzug hält oder wir doch auf eine weiße Weihnacht zugehen.

Jetzt hatte Kai sich so schön Unternehmungen für längere Wochenende ausgedacht... aber für ein kurzes Wochenende hatten wir uns noch nichts einfallen lassen. Das wurde schnell beim Frühstück nachgeholt. Aber letztendlich war es wieder mehr oder weniger ein Plan zum Umschmeißen, da wir unser eigentliches Ziel nicht erreicht haben. Dafür sind wir auf dem Weg dorthin spontan zweimal abgebogen. Macht nix. Wir werden noch mehrere Eintageswochenenden haben um alles zu erkunden ;).

Motueka war dieses Wochenende wirklich voll... so dass wir die Stadt schnell verließen. (Kate erzählte uns am Abend, dass es ab jetzt nur voller und wuseliger in der Stadt werden würde: Die Saison und die Touristenwellen rollen langsam an... Touristen... so was "Nerviges"! ;))

Unser Weg führte uns wieder mal Richtung Takaka-Hill-Pass (grandiose Aussicht von dort) und was war das? Auf der Landkarte war ein Ring in einiger Entfernung eingezeichnet... das wird doch nicht etwa...? Oh doch es war einer der Drehplätze von Herr der Ringe und gleich daneben etwas, was sich Harwoods Hole nannte. Das klang sehenswert und alleine schon der Weg dorthin sah super aus: Eine Pistenstraße für FWD-Autos (four wheel drive = Allradantrieb). Alles klar, und abgebogen! Mittlerweile waren wir so hoch oben, dass sich auf den Hochebenen Schneefelder vor uns auftaten und hinter der nächsten Kurve begrüßte uns tatsächlich ein kleiner Schneemann! :) Dort wo die Sonne hingelangt war, war der Schnee aber schon fast wieder geschmolzen. Dieses Schicksal bestand unserem kleinen Freund auch bevor.

Auf den Spuren der Hobbits im Chetwood-Forest :)
Auf den Spuren der Hobbits im Chetwood-Forest :)

Der Weg endete schließlich an einem Parkplatz direkt am Eingang zum Abel Tasman Nationalpark. Ab hier kam man nur zu Fuß oder mit dem Mountainbike weiter. Der Weg zum Höhlensystem Harwoods Hole ging durch den "Chetwood-Forest" (für alle Herr-der-Ringe-Kenner: das ist der Wald, durch den Aragorn die Hobbits nach dem Aufbruch aus Bree führt). Ein wunderschöner Wald mit  moosbewachsenen Bäumen und Steinen, kleinen Waldseen zwischendurch, etwas Sumpf rechts und links vom Weg (und manchmal auch mitten auf dem Weg). Wir zweigten noch einmal zu einem Viewpoint ab, 15 Minuten ging es den Berg hinauf und dann stand man plötzlich aus dem Urwald kommend auf Steinen und vor einem: Nichts mehr! Ein Abgrund sozusagen mit einer Sicht wie Fliegen! :)

Nach einer kurzen Verweildauer ging es wieder zurück in den Schatten des Waldes und weiter zwischen Felsen hindurch. Harwoods Hole ist mit 176 Metern der tiefste vertikale Höhlenschacht in Neuseeland und wurde 1958 erstmals von Höhlenforschern erforscht. Es wäre erlaubt, sich abzuseilen, vorausgesetzt man hat das passende Equipment und die Erfahrung im Gepäck. Wir hatten das nicht und es machte genug Eindruck dort am Rand zu stehen und nicht nur zu sehen, wie die Felsen um einen in den Himmel ragten, sondern auch wie ein tiefer Schacht nach unten ins Nirgendwo zu gehen schien. Das Echo untermalte diese mystische Atmosphäre und plötzlich fühlte man sich ganz klein. Wir sicherten uns gegenseitig und kletterten vorsichtig von Felsen zu Felsen. 

Maori-Schnitzereien an dem Tor, das den Weg zur Riwaka Quelle eröffnet
Maori-Schnitzereien an dem Tor, das den Weg zur Riwaka Quelle eröffnet

Von dem Bergebenen ging es nach einer kurzen Chips-Snackpause mit dem Auto zurück ins Tal Richtung Motueka. Im Nachbarort Riwaka fanden wir nochmal einen spannenden Abstecher und haben unseren Traumort für den Sommer gefunden: Die Quelle des Riwaka-Rivers! Der Fluss entspringt aus einem Höhlensystem unterhalb des Takaka-Hills und kommt in der Nähe von Riwaka eiskalt an die Oberfläche. Für die Maori ist dies ein heiliger Ort. Sie glauben an die heilenden Kräfte des kristallklaren Wassers. Flüsse generell symbolisieren für sie die Lebenskraft, das Blut von "Papatuanuku" (Mutter Erde) und es verbindet sie mit all ihren Vorfahren. Diese Quelle jedoch hat noch extra Mana: Von hier entspringt "Waiora" - Das Wasser des Lebens. Über Generationen hinweg kamen Maori an diesen Ort, um sich zu reinigen und zu heilen. So zumindest verrieten es uns die Schautafeln am Tor des Weges, der zur Quelle führt. Trotz der Heiligkeit der Quelle ist es dennoch gestattet im Laufe des Flusses schwimmen zu gehen... Und wir können uns keinen besseren Ort für einen heißen Sommertag vorstellen, was soviel heißt wie: Wir kommen auf jeden Fall wieder! :)

Doch vorerst neigte sich unser Sonntag dem Ende zu und wir hatten die nächste Arbeitswoche vor uns... hoffentlich mit viel Sonne und wenig Regen!

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