Auf dem Wasser – Im Wasser – Unter Wasser

Mathilda erklärt uns alles was wir wissen müssen... Tim nickt dazu und wir sind einfach nur gespannt! :)
Mathilda erklärt uns alles was wir wissen müssen... Tim nickt dazu und wir sind einfach nur gespannt! :)

 

Die Wettervorhersage hatte Recht behalten und morgens war es noch ordentlich nass und grau. Die Wolken hingen tief, die Berge waren im grauen Wolkenschleier verschluckt... alles in allem nicht das beste Wetter für die Vorstellung, jetzt gleich ordentlich durchnässt auf einem Schlauchboot von Stromschnelle zu Stromschnelle zu sausen. Aber das konnte uns nicht abschrecken... und sofern vom Anbieter Ultimate Descents keine Bedenken geäußert wurden, würden wir uns das nicht entgehen lassen! Nach dem Frühstück machten wir uns gleich auf den Weg nach Murchison, wo unsere Tour gegen 11:00 starten sollte. Wir wurden herzlich vom Inhaber Tim begrüßt (ein wirklich aufgeschlossener, humorvoller Rasta-Mann, geschätzt Anfang 40) und mit der Botschaft überrascht, dass wir eine ganz private Rafting-Tour erleben durften, da sich keine weiteren Gäste angemeldet hatten. Wow! Großartig! Er fragte uns noch, ob es unter diesen Umständen in Ordnung wäre, wenn einer seiner Trainees das Boot lenken könnte. Wir hatten ja so schon nur eine ungefähre Vorstellung, was auf uns zukam, so dass wir sofort einwilligten. So lernten wir unsere Bootsführerin Mathilda (ursprünglich aus Schweden) kennen. Die erste Begegnung mit Neuseeland hatte sie vor einigen Jahren wie wir als Backpacker, bevor sie sich dazu entschied, hier zu bleiben. Tim würde als Anleiter und jahrelanger Rafter natürlich ebenfalls mit im Boot sitzen und ein weiterer Trainee Jeremy gesellte sich noch zu uns und unsere Crew war komplett. Die Frage, wer in der ersten Reihe sitzen würde, stellte sich bei der Besatzung natürlich nicht und Jeremy und Tim ließen uns gerne den Vortritt. So langsam wurden wir doch aufgeregt. Schnell schlüpften wir in unsere Badesachen und bekamen noch einen baumwollenen Pullover zum Überziehen... über diese Kombo zogen wir dann die Neoprenanzüge, dann noch ein langärmliges T-Shirt und darüber schließlich die Schwimmwesten. Puh... wenn wir vorher noch dachten, es wäre zu kalt zum schwimmen, konnten wir es jetzt kaum erwarten in Kontakt mit dem kalten Wasser zu kommen! Doch vorher lernten wir noch die Fotografin kennen, die an verschiedenen Stellen unseres Wellenritts stehen und fotografieren würde... „Immer wenn ihr mich seht, ist es Zeit für ein Fotolächeln!“ Das ganze Team war wirklich unglaublich nett, freundlich und es war überhaupt nicht schwer mit ihnen warm zu werden!

 

Ganz friedlich fließt der Buller River stetig vor sich hin, als könnte er kein Wässerchen trüben ;)
Ganz friedlich fließt der Buller River stetig vor sich hin, als könnte er kein Wässerchen trüben ;)

 

Es dauerte nicht lange und unser Kleinbus, samt Bootsanhänger setzte sich in Bewegung: Aus Murchison heraus und zu einem ca. 10 Minuten entfernten Fischerzugang zum Buller-River. Tim setzte Hänger und Bus rückwärts, um so nah wie möglich an den River heranzukommen bis plötzlich... nichts mehr. Es tat sich nichts mehr... durch den Regen war der schlammige Boden so aufgeweicht, dass wir uns hoffnungslos festgefahren hatten. Ende der lustigen Autofahrt: Aus dem Auto stiegen wir gegen die Böschung aus und schoben und drückten am Auto hinten rum... nichts! Wir schaukelten es auf... auch das half nicht so wirklich. Also wurde das Boot erstmal vom Hänger getragen samt Ausrüstung... Beim nächsten Aufschaukeln ging es wenigstens ein Stück rückwärts aus dem mittlerweile durch die Räder geschaffenen Loch hinaus. Mit Ausdauer und vereinten Kräften schafften wir es schließlich die Stelle zu überwinden. So! Also jetzt waren wir wirklich sowas von bereit fürs Wasser! Nur noch schnell das Boot zu Wasser tragen! Japs! ;) Mathilda gab uns eine Einweisung, was die Sicherheit und Kommandos betraf... und wieviele Kommandos es gab. Dabei war geradeaus und rückwärts paddeln ja noch das einfachste... aaaber rechts vorwärts, links rückwärts brachte mich mit meiner Rechts-Links-Schwäche schon an meine Grenzen. ;) Dann das schnelle Paddeln, das „Nicht-Paddeln“, das zu einer Seite lehnen, das „Hold on“ (einfach an den Seilen festhalten und Paddel aus dem Wasser) und das „sich-panisch-vorne-ins-Boot-abducken-festhalten-und-so-klein-wie-möglich-machen“. :D Alles klar... oder auch nicht... wir werden sehen! Gesessen wurde außen auf dem Bootrand und nicht auf den wie Sitzbänke aussehenden Querbalken. Das machte das Paddeln deutlich einfacher.

 

Wie auch immer wir es geschafft haben, auf dem Boot zu bleiben... aber JA, wir sind weder umgekippt, noch ins Wasser gefallen... nur etwas nass geworden ;)
Wie auch immer wir es geschafft haben, auf dem Boot zu bleiben... aber JA, wir sind weder umgekippt, noch ins Wasser gefallen... nur etwas nass geworden ;)

 

Dann wurde es richtig spannend, als sie anfing die „What-if“-Notfälle zu erklären.

 

 

WAS WENN...

 

einer von uns ins Wasser fallen würde: Auf jeden Fall das Paddel festhalten und mit der anderen Hand sofort nach dem Tau am Boot greifen.

 

 

 

WAS WENN...

 

das Boot nicht mehr erreichbar sei, sich so ausrichten, dass die Füße nach vorne in Stromrichtung zeigten, damit man mit dem Kopf den Strom hinabblicken könne und sähe, was da auf einen zukäme. Natürlich Ruhe bewahren und auf Anweisungen aus dem Boot warten. Es gab ein Rettungstau, was uns, wenn möglich, dann zugeworfen würde. Aha.

 

 

 

WAS WENN...

 

wir kentern. Ruhe bewahren, auftauchen und wieder am Boot irgendwie festhalten. Falls das Boot richtig herum auf dem Fluss treibt und man irgendwie unter das Boot gerät, sollten wir aktiv vom Boot wegschwimmen, da wir in unseren Schwimmwesten genauso schnell wie das Boot trieben und wir immer wieder von unten gegen das Boot stoßen würden, beim Versuch aufzutauchen. Das konnte natürlich gefährlich werden. Gut zu wissen. Besser wäre es natürlich, wenn das Boot falsch herum trieb, dann konnte man das Luftreservoir nutzen, bevor man mit Kontakt zu den Haltetauen drunter durch tauchen konnte.

 

Wir sind soweit: Es kann also losgehen! :)
Wir sind soweit: Es kann also losgehen! :)

 

Im seichten Wasser machten wir mehr oder weniger ein paar Trockenübungen der Kommandos und dann wurde es ernst und wir waren weit genug, dass die ersten Stromschnellen vor uns auftauchten! So ging es die nächsten 2 Stunden: Stromschnelle, Wasser im Gesicht und angestrengtes Paddeln im Wechsel mit einem entspannten den Fluss-Hinunter-Treiben. Immer wieder erzählte uns unsere Crew etwas über die Plätze, die wir passierten. Es war spannend und informativ zugleich und nochmal eine so andere Sicht auf die z.T. Unberührte Natur am Flussufer. Manchmal war das Wasser unter einem ganz friedlich, mal brodelte es als würde es kochen! Es gab Stellen, die gefährlich für Schwimmer seien, da das Wasser durch Strudelbildung an dieser Stelle keinen Auftrieb versprach und es gab Stellen, wo man sich ohne ernsthafte Probleme etwas tragen lassen konnte. An einer dieser Stellen gingen Jeremy, Kai und ich freiwillig über Bord. Auch wenn es keine allzu starke Strömung war, brachte uns der Fluss dazu einige große Schlucke zu nehmen bei dem Versuch mit dem Kopf über Wasser zu bleiben. In eins, zwei kräfitgen Zügen waren Mathilda und Tim wieder bei uns und zogen uns zurück an Bord.

 

Am Ufer und dem gestrandeten Treibholz konnte man sehen, wie unglaublich hoch das Wasser in den vergangen Tagen gestanden haben musste. Der wechselnde Wasserstand machten ein und die selbe Strecke jedes Mal zu einer neuen Herausforderung für die Rafter, da kein Tag gleich war. Wir passierten Brücken und hielten schließlich bei einem Wasserfall, an dem wir bedenkenlos das Wasser trinken könnten. Vor den gefährlichen Stromschnellen wurden wir immer vorgewarnt und eine besonders knifflige Stelle sahen wir uns erst von Land an, bevor die Entscheidung getroffen wurde, dass wir es wagen könnten, diese mit dem Boot zu passieren... es gab sogar an einem der Felsen ein Halteseil, an dem man sich festhalten sollte, wenn man über Bord ging. Das schien also an dieser Stelle öfter zu passieren. Na das baute auf. Dieser Moment, wenn man auf die Stromschnelle zufährt ist unbeschreiblich... die Zeit scheint still zu stehen, bis von hinten das „PADDELN!“ ertönt und schließlich das „HOLD ON!“ Dann Mund fest zu und Platsch! :D

 

Das letzte Highlight der Tour war schließlich kurz vor Ende das Felsenspringen! Drei verschiedene Höhen... ich wählte die mittlere und das war schon eine Herausforderung: 5 Meter ging es, bevor man ins Wasser eintauchte. Mathilda sprang als erste. Dann Kai (nach einiger Überwindung). Und ich stand da... und stand da... und stand da. Immer wieder angefeuert und ermutigt von den anderen. Jeremy holte sogar soweit aus: „Stell dir vor, du hast richtig Hunger... du hast den ganzen Tag noch nichts gegessen und das einzige, was es gibt ist ein Frosch. Ein schleimiger, schlabbriger, glitschiger Frosch. Je länger du ihn anguckst, desto weniger wirst du diesen Frosch essen... also, überleg nicht lange und iss den Frosch einfach!“ Mit dem Satz lief er an mir vorbei und sprang von den Klippen. Toll... aber tatsächlich brachte diese Geschichte den gewünschten Erfolg und zack ging es tief ins Wasser, bevor die Weste für den Auftrieb sorgte. Und schnell zurück zum Ufer, bevor der Strom einen weiter trieb. Kai und Jeremy wagten dann noch den Sprung aus ca. 11 Meter Höhe, während ich die Challenge „Sprung ohne Kreischen“ meisterte. Das war ein Spaß!

 

Es war eine unvergessliche Tour mit einer prima Crew, die mit einer freien heißen Schokolade und Keksen im Trockenen am Ausgangspunkt abgerundet wurde (zur Musik von einer Band namens E620 von YouTube;))!

 

Kurz vor Hanmer Springs Blick auf die Ferry Bridge und den Waiau River
Kurz vor Hanmer Springs Blick auf die Ferry Bridge und den Waiau River

 

 

 

Nach einer stärkenden Mahlzeit zum Mittag, verabschiedeten wir uns von Murchison. Wir hatten eine lange Fahrt vor uns, da wir noch Hanmer-Springs erreichen wollten. Es war trotz (oder gerade aufgrund) des Regenwetters eine Fahrt durch eine mystisch und wunderschöne Landschaft! Trotz des langen Weges ließen wir es uns nicht nehmen, an einigen Stelle kleine Abstecher zu interessanten Orten zu machen: So statteten wir den Maruia Falls und zwei natürlichen, heißen Quellen auf dem Weg einen Besuch ab. Letztere waren seit einem Steinrutsch verschüttet... wir fanden sie (oder die Reste davon) dennoch. Es war schon faszinierend... auch wenn es nur Pfützen waren... so waren sie richtig warm!

 

 

Auf einer unserer teuersten Campsites bis hierher, genossen wir alles, was der Preis beinhaltete: Backofen und Herd, heiße Duschen, Esszimmer, Waschmaschine und Trockner... Das war herrlich, bevor wir im Campervan in den Schlaf fielen. Ein wenig anstrengend war dieser Tag ja dann doch gewesen.

 

 

 

 

Der nächste Tag (08.02.2017) stand ganz im Zeichen der Erholung. Da es die Nacht über und auch den gesamten Tag bis abends durchregnete, war es perfekt für ein Bad in den heißen Pools der Hanmer-Springs und anschließend Ausruhen in der Bibliothek, bevor wir unseren Weg Richtung Christchurch fortsetzten. In Amberley bogen wir zu unserer Campsite ab: wieder mal einer am Ende einer etwas längeren Schotterstraße... und wieder mal einer, der nur von Locals gekannt und aufgesucht wurde. Das gefiel. Noch mehr gefiel, dass wir hier noch einen kleinen Rundweg machen konnten, um nicht den ganzen Tag nur rumgesessen zu haben.

 

 

Da wir in der Vergangenheit bereits einige Tage in Christchurch verbracht hatten, blieben wir diesmal im Vorort... planten und organisierten in der Bibliothek, gingen etwas Einkaufen und waren überrascht, wie schnell der Tag rum war. In der Nähe von Rakaia parkten wir unser Zuhause und genossen einen Spaziergang am Meer zur Flussmündung des Rakaia Rivers und konnten unser Glück kaum fassen, als wir gar nicht weit vom Strand entfernt einige Rückenflossen auf und abtauchen sahen: Delfine! :) Auch wieder einer dieser magischen Neuseeland-Momente, von denen wir wohl auch in Zukunft noch einige erleben werden dürfen! :)

 

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