Drei Tage Wildnis – Der Rakiura Track

Good bye kleiner Zeltpalast :)
Good bye kleiner Zeltpalast :)

 

 

 

Die Rucksäcke waren am Morgen des 23.02.2017 schnell gepackt und wir bereit für unseren nächsten Great Walk. Der eigentlich nur 29km lange Rundweg (über einen Bruchteil der sonst so großen Insel) wurde für uns noch durch zusätzliche 8km entlang der Asphaltstraßen verlängert: Zum Beginn des Tracks und am letzten Tag die Straße nach Oban zurück. Deshalb war es mehr als nur angebracht, das Ganze auf drei Tage zu verteilen, wobei man gemütlich 12 – 13 km pro Tag zurücklegen konnte. Aber selbst das sollte aufgrund des Gepäcks nicht unterschätzt werden. Da die Hütten ausgebucht waren, hatten wir uns auf die Campingplätze eingebucht, was natürlich das Mitbringen von Matratzen, Schlafsäcken und Zelt erforderte. Sprich: Selbes Prozedere, wie beim Abel Tasman Great Walk.

 

Erster Tag Halfmoon Bay bis Port William Hut, zweiter Tag Port William Hut bis North Arm Hut, dritter Tag North Arm Hut bis Halfmoon Bay.
Erster Tag Halfmoon Bay bis Port William Hut, zweiter Tag Port William Hut bis North Arm Hut, dritter Tag North Arm Hut bis Halfmoon Bay.
Schöne Strände direkt in der Nachbarschaft zu Oban
Schöne Strände direkt in der Nachbarschaft zu Oban

 

Der Beginn des Tracks lag mitten in Oban und zu unserem Leidwesen liefen wir gut 1 h nur auf Asphalt-Straßen entlang... Es gab schöne Strände neben der Straße... aber es läuft sich einfach nicht so gut. Ein Einheimischer sah uns mit unseren Rucksäcken den Berg hochzuckeln... auf der anderen Straßenseite watschelte eine Ente... „Ha, schneller als die Ente seid ihr schon mal... und das bergauf.“, lachte er. Na dann kann ja nix mehr schief gehen. Wir waren froh, als wir auch die lange Schotterstraße zum eigentlichen Beginn des Tracks hinter uns hatten und es nun tatsächlich losging. Am Ausgangspunkt in der Lee Bay hielten wir uns nur kurz auf und wenn dann nur tanzend... Wir tanzten den Sandfly-Tanz um nicht gebissen zu werden :). Und los ging es durch den Torbogen der großen Ankerkette... ein Symbol der Maori, was die Verbundenheit Stewart Islands mit den anderen beiden Inseln darstellt. In einer der Legenden ist die Südinsel das Kanu vom Halbgott Maui, Stewart Island der Anker des Kanus... Damit versuchte Maui einen riesigen Fisch (die Nordinsel) zu fangen. Wir stiefelten gutgelaunt los und fühlten uns teilweise sehr an unsere Zeit im Abel Tasman NP zurückversetzt. Auch hier gab es traumhafte schöne Strände! Als wir unser Ziel erreichten, waren wir die ersten am Campingplatz und hatten somit freie Wahl. Wir bauten unser Zelt auf und erkundeten die Umgebung.

 

 

Die Hütte war nur 5 Minuten von unserem Platz entfernt. Dort gab es eine Hüttenbeauftragte vom DOC, die abends dann unsere Tickets für die Campsite sehen wollte. Sie wies uns dann darauf hin, dass unsere ausgeklügelte Idee, die Rucksäcke sicher vor Wild (Ratten und Possums) unter das Dach des Unterstandes zu hängen, evtl. nicht von Erfolg gekrönt sein könnte. Zur Veranschaulichung zeigte sie uns ein Stück zerschredderten Stoffes. Wir machten lange Gesichter... unser Zelt war einfach zu klein für die zwei großen Rucksäcke... es war schon zu zweit schön kuschelig. Sie bot uns an, die Rucksäcke in der Hütte unterzustellen. Das Angebot nahmen wir dankend an.

 

Am Abend auf unserer besagten Kiwi-Nachtsuche fanden wir wieder keinen Kiwi... aaaber dafür etwas anderes, was uns auch sehr entzückte :)

 

Kein Meer heute, dafür Wald und Wald und Wald :)
Kein Meer heute, dafür Wald und Wald und Wald :)

 

 

 

 

Die Nacht war eisig, aber dafür sternenklar. Wir waren froh, als die Sonne am nächsten Morgen wieder wärmte. Wir verquatschten uns nach dem Frühstück mit unseren Mitcampern, so dass wir als letzte von 4 Parteien aufbrachen. Aber das störte nicht... wir hatten Zeit und zudem so viel Glück mit dem Wetter. Der Rakiura Track ist bekannt für seinen Matsch und Modder. Bei schlechtem Wetter stehen Wanderer gerne mal bis zu den Knien im Schlamm. Das konnte uns heute nicht passieren... Trotzdem mussten wir uns viele Ausweichwege um die Schlammlöcher herum suchen. Auf der Campsite hatten wir die selben Nachbarn wie gestern: ein fanzösisches Pärchen. Wir unterhielten uns etwas und machten uns dann alle auf dem Weg zum Strand (immerhin hatten wir heute den ganzen Tag kein Meer gesehen!). Die Franzosen suchten Muscheln für ihr Abendessen, während wir einfach nur von Stein zu Stein im Watt entlanghüpften. Die Bucht war übersät von Muschelbänken... das sollte ein leichtes für die Franzosen sein. Es war so unbeschwert, wenn man die schweren Rucksäcke erstmal losgeworden war. Unsere Rucksäcke hingen diesmal wirklich unter dem Dach des Unterstandes. Hoffentlich ging alles gut... Wir versuchten darauf zu achten, dass sie nicht zu nahe an einem Eckpfeiler hingen, woran eine Ratte unter Umständen hochklettern konnte. Nach dem Abendbrot bekamen wir Besuch... ein Reh lief seelenruhig am Unterstand vorbei... und rannte selbst dann nicht weg, als die Franzosin und ich auf Fotopirsch gingen. ;)

 

Auf frischer Tat ertappt: Der Unruhestifter in der Nacht
Auf frischer Tat ertappt: Der Unruhestifter in der Nacht

 

Die Beine waren schon schwer... und es kühlte im Wald schnell ab, also verkrochen wir uns ins Zelt. Da wir den Laptop nicht 5 Tage im Auto lassen wollten, hatten wir den also fleißig mit uns rumgetragen... Es war noch nicht spät, was uns die beste Gelegenheit dazu gab noch ein Filmchen im Zelt zu gucken. Als es schließlich still war und wir uns zum Schlafen hingelegt hatten, hörten wir erst ein Tapsen direkt neben unserem Zelt... war das Reh vielleicht zurück? Dann vom Shelter ein Rumpeln und Poltern... Ok... eigentlich wollten wir diesmal nicht auf Nachtwanderung gehen... aber es klang so unheimlich und laut und unsere Rucksäcke hingen dort... da guckten wir doch lieber mal nach. Von Weitem sah alles normal aus, wäre da nicht das Aufblitzen auf dem Dach. Wir leuchteten mit unseren Taschenlampen hinauf: Bewegungslos und völlig unschuldig starrte uns ein dickes Possum an, direkt über meinem Rucksack. Kurz den Lichtkegel woanders hingerichtet und es schlich ganz langsam rückwärts, nur um wieder wie angewurzelt stehen zu bleiben, als wir es wieder anleuchteten. Wie kann man nur sooo niedlich und schuldbewusst wirken. Wir leuchteten wieder weg und mit einem lauten Kratzgeräusch, gefolgt von einem PLUMS war das Possum vom Dach und im Unterholz verschwunden. Daraufhin hängten wir meinen Rucksack noch einmal zentraler unter das Dach und hofften das beste, als wir wieder ins Bett gingen.

 

Auf zur letzten Runde
Auf zur letzten Runde

 

Über Nacht regnete es und wir waren froh, dass es rechtzeitig zur Aufstehzeit aufgehört hatte. Heute war alles grau, aber so lange es so halbwegs trocken bleibt, würden wir uns nicht beschweren. Die Rucksäcke hingen unversehrt und trocken unter dem Dach des Unterstandes... Perfekt! Heute konnten wir nicht so rumtrödeln, da unser Flug zurück auf die Südinsel um 16:30 ging und wir uns vorher bei Kaikart nochmal stärken wollten. Der hatte aber nur bis 14:00 Uhr auf: also Frühstück, Rucksäcke geschultert, sich von den Franzosen verabschiedet und los gings. Aufgrund des grauen Wetters war es eh nicht so sehr einladend viele Zwischenstopps einzulegen und wir gingen (durch nicht minder schlammiges Gelände) tapfer zurück nach Oban. Natürlich waren wir rechtzeitig da... aber wir spürten sehr genau, was wir in den letzten drei Tagen an Strecke hinter uns hatten. Eine Dusche wäre zwar auch nicht schlecht gewesen, aber die musste wohl bis zum Festland warten. ;) Im Flieger schwebte Kai wieder im siebten Himmel und als wir viele der bekannten Plätze unter uns kleiner werden sahen, verabschiedeten wir uns von der Kiwi-Insel. Willkommen zurück in Invercargill... auch wenn dieses Stadt nicht wirklich sehr viel zu bieten hat, so kann man hier doch für nur einen Dollar für 15 Minuten sehr günstig duschen... und das direkt im Stadtzentrum. Erfrischt (und ich für meinen Teil vieeel zu satt und eindeutig überfressen (aber das indische Essen war einfach zu lecker)) fuhren wir schließlich wieder auf den selben

 

Campingplatz, auf dem wir vor fünf Tagen unsere kurze Reise nach Stewart Island vorbereitet hatten. Ich glaube, heute würden wir sehr gut schlafen können!

 

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